Brillantes Klavierkonzert in Harmonie Heilbronn

Thursday 19 April 2018

Aufruhr, Feuerfunken, stilles Vergnügen: Die Brüder Arthur und Lucas Jussen (24 und 21) aus
dem niederländischen Hilversum sorgten beim Konzert des Kulturring für Beifall im Stehen. Unter die
rund 400 Zuhörer hatten sich auch zahlreich junge Leute gemischt.

Brillantes Klavierkonzert in Harmonie Heilbronn

Lucas (vorne) und Arthur Jussen sind fantastisch aufeinander eingespielt. Auch solistisch begeistern die Pianisten
aus den Niederlanden ihr Publikum.
Foto: Ralf Seidel
“Smart” ist eines der ersten Worte, die einem in den Sinn kommen, als die im holländischen Hilversum geborenen
Brüder Lucas und Arthur Jussen die Bühne in der Harmonie betreten und sich beim Klavierabend des Kulturring
ohne Umschweife ans Werk machen.
Hoch virtuos
Felix Mendelssohn Bartholdys Andante und Allegro brillante jagen unter den vier Händen der ungeachtet ihrer
Jugend von 25 respektive 21 Jahre schon hoch virtuosen Pianisten mit einer Frische dahin, als seien sie dem
Meister soeben erst aus der Feder geflossen. Und es ist wohl keine Übertreibung, hier von einem Phänomen zu
sprechen, das die rund 400 Zuhörer im Lauf des Abends noch mehrfach aufhorchen lässt: Fliehende Läufe über
alle vier Hände, Akkordcluster, helle Zwischenrufe und Tastengewitter, ein starkes Gespür für den Einsatz von
Dynamik und Tempo. Das alles, frei herausgespielt und mit einer kaum zu übertreffenden Präzision bei
gleichzeitigem Einfühlen in die Sprache des Komponisten, trifft hier aufs Glücklichste zusammen. Wie von selbst
entwickeln sich die Klänge unter dem meisterhaften Spiel der Brüder, die mit dem Steinway-Flügel verwachsen
scheinen.
Wie ein Traum
Franz Schuberts f-Moll Fantasie wirkt luzid durchatmet. Als würden sie die Töne streicheln, locken die Jussens
die sich über das Pendelmotiv erhebende Melodie hervor, spitzen ohne jegliche Anstrengung, so scheint es, die
dem Werk innewohnende Dramatik wohl proportioniert und mit bis zum Äußersten gedehnten Pausen zu und
kehren zum Anfangsmotiv zurück, als sei alles nur ein Traum gewesen. Das lässt einen nicht unberührt.
Jugendlich ungestüm Ebenso wenig das ungeachtet des grausamen Schicksals von Leo Smit kurz vor seiner
Deportation ins Lager Sobibor geschriebene lebensfreudige Divertimento: Mit großem Vergnügen für Pianisten
und Zuhörer lässt das Duo Feuerfunken sprühen, setzt Töne akkurat aneinander und begeistert im jazzigen Part
mit einer hinreißenden Mischung aus jugendlichem Ungestüm und technischer Präzision.
Vereinigung zweier Seelen
Der eine Flügel scheint zu wenig für die Kraft der beiden Künstler, von denen der dänische Dirigent Michael
Schønwandt sagte, es sei, “als würde man zwei BMW gleichzeitig fahren.” Und dennoch geschieht auf den Tasten
eine Vereinigung zweier Seelen im Sinne der Musik wie sie höchst selten zu erleben ist. Bis hin zum Anschlag ist
das Spiel wie aus einem Guss.
Brillant gelingt auch Fazil Says für das Duo geschriebene Stück “Night”, das mit alptraumhaft dunklen Passagen
aufwartet. Dumpfes Grollen und geisterhaftes Klirren trifft auf perkussive Effekte und sorgt für impulsive
Bravorufe und am Ende für Beifall im Stehen.
Auch solistisch großartig
Die Rechnung des Kulturring geht auf: Die jungen Virtuosen haben auch jüngere Hörer ins Publikum gelockt, das
hier ein Konzert der Superlative erlebt. Auch solistisch glänzen die Brüder: Mit Arthur Jussens Interpretation von
Robert Schumanns Fantasiestücken tut sich ein Kosmos an Bildern auf, vom mit sanfter Melodie gleißenden
romantischen Abendlicht über wilden Aufruhr bis zu lustvoll aufblitzenden Figuren. Sein Bruder Lucas meistert
in Suite und Sonate von Béla Bartók spielend die schwierige Rhythmik und widmet sich dem divergenten
Klangbild mit großer Meisterschaft. Bravissimo.
Lucas (vorne) und Arthur Jussen sind fantastisch aufeinander eingespielt. Auch solistisch begeistern die Pianisten
aus den Niederlanden ihr Publikum.
Foto: Ralf Seidel
“Smart” ist eines der ersten Worte, die einem in den Sinn kommen, als die im holländischen Hilversum geborenen
Brüder Lucas und Arthur Jussen die Bühne in der Harmonie betreten und sich beim Klavierabend des Kulturring
ohne Umschweife ans Werk machen.
Hoch virtuos
Felix Mendelssohn Bartholdys Andante und Allegro brillante jagen unter den vier Händen der ungeachtet ihrer
Jugend von 25 respektive 21 Jahre schon hoch virtuosen Pianisten mit einer Frische dahin, als seien sie dem
Meister soeben erst aus der Feder geflossen. Und es ist wohl keine Übertreibung, hier von einem Phänomen zu
sprechen, das die rund 400 Zuhörer im Lauf des Abends noch mehrfach aufhorchen lässt: Fliehende Läufe über
alle vier Hände, Akkordcluster, helle Zwischenrufe und Tastengewitter, ein starkes Gespür für den Einsatz von
Dynamik und Tempo. Das alles, frei herausgespielt und mit einer kaum zu übertreffenden Präzision bei
gleichzeitigem Einfühlen in die Sprache des Komponisten, trifft hier aufs Glücklichste zusammen. Wie von selbst
entwickeln sich die Klänge unter dem meisterhaften Spiel der Brüder, die mit dem Steinway-Flügel verwachsen
scheinen.
Wie ein Traum
Franz Schuberts f-Moll Fantasie wirkt luzid durchatmet. Als würden sie die Töne streicheln, locken die Jussens
die sich über das Pendelmotiv erhebende Melodie hervor, spitzen ohne jegliche Anstrengung, so scheint es, die
dem Werk innewohnende Dramatik wohl proportioniert und mit bis zum Äußersten gedehnten Pausen zu und
kehren zum Anfangsmotiv zurück, als sei alles nur ein Traum gewesen. Das lässt einen nicht unberührt.
Jugendlich ungestüm Ebenso wenig das ungeachtet des grausamen Schicksals von Leo Smit kurz vor seiner
Deportation ins Lager Sobibor geschriebene lebensfreudige Divertimento: Mit großem Vergnügen für Pianisten
und Zuhörer lässt das Duo Feuerfunken sprühen, setzt Töne akkurat aneinander und begeistert im jazzigen Part
mit einer hinreißenden Mischung aus jugendlichem Ungestüm und technischer Präzision.
Vereinigung zweier Seelen
Der eine Flügel scheint zu wenig für die Kraft der beiden Künstler, von denen der dänische Dirigent Michael
Schønwandt sagte, es sei, “als würde man zwei BMW gleichzeitig fahren.” Und dennoch geschieht auf den Tasten
eine Vereinigung zweier Seelen im Sinne der Musik wie sie höchst selten zu erleben ist. Bis hin zum Anschlag ist
das Spiel wie aus einem Guss.
Brillant gelingt auch Fazil Says für das Duo geschriebene Stück “Night”, das mit alptraumhaft dunklen Passagen
aufwartet. Dumpfes Grollen und geisterhaftes Klirren trifft auf perkussive Effekte und sorgt für impulsive
Bravorufe und am Ende für Beifall im Stehen.
Auch solistisch großartig
Die Rechnung des Kulturring geht auf: Die jungen Virtuosen haben auch jüngere Hörer ins Publikum gelockt, das
hier ein Konzert der Superlative erlebt. Auch solistisch glänzen die Brüder: Mit Arthur Jussens Interpretation von
Robert Schumanns Fantasiestücken tut sich ein Kosmos an Bildern auf, vom mit sanfter Melodie gleißenden
romantischen Abendlicht über wilden Aufruhr bis zu lustvoll aufblitzenden Figuren. Sein Bruder Lucas meistert
in Suite und Sonate von Béla Bartók spielend die schwierige Rhythmik und widmet sich dem divergenten
Klangbild mit großer Meisterschaft. Bravissimo.
Heilbronner Stimme,Lucas (vorne) und Arthur Jussen sind fantastisch aufeinander eingespielt. Auch solistisch begeistern die Pianisten
aus den Niederlanden ihr Publikum.
Foto: Ralf Seidel
“Smart” ist eines der ersten Worte, die einem in den Sinn kommen, als die im holländischen Hilversum geborenen
Brüder Lucas und Arthur Jussen die Bühne in der Harmonie betreten und sich beim Klavierabend des Kulturring
ohne Umschweife ans Werk machen.
Hoch virtuos
Felix Mendelssohn Bartholdys Andante und Allegro brillante jagen unter den vier Händen der ungeachtet ihrer
Jugend von 25 respektive 21 Jahre schon hoch virtuosen Pianisten mit einer Frische dahin, als seien sie dem
Meister soeben erst aus der Feder geflossen. Und es ist wohl keine Übertreibung, hier von einem Phänomen zu
sprechen, das die rund 400 Zuhörer im Lauf des Abends noch mehrfach aufhorchen lässt: Fliehende Läufe über
alle vier Hände, Akkordcluster, helle Zwischenrufe und Tastengewitter, ein starkes Gespür für den Einsatz von
Dynamik und Tempo. Das alles, frei herausgespielt und mit einer kaum zu übertreffenden Präzision bei
gleichzeitigem Einfühlen in die Sprache des Komponisten, trifft hier aufs Glücklichste zusammen. Wie von selbst
entwickeln sich die Klänge unter dem meisterhaften Spiel der Brüder, die mit dem Steinway-Flügel verwachsen
scheinen.
Wie ein Traum
Franz Schuberts f-Moll Fantasie wirkt luzid durchatmet. Als würden sie die Töne streicheln, locken die Jussens
die sich über das Pendelmotiv erhebende Melodie hervor, spitzen ohne jegliche Anstrengung, so scheint es, die
dem Werk innewohnende Dramatik wohl proportioniert und mit bis zum Äußersten gedehnten Pausen zu und
kehren zum Anfangsmotiv zurück, als sei alles nur ein Traum gewesen. Das lässt einen nicht unberührt.
Jugendlich ungestüm Ebenso wenig das ungeachtet des grausamen Schicksals von Leo Smit kurz vor seiner
Deportation ins Lager Sobibor geschriebene lebensfreudige Divertimento: Mit großem Vergnügen für Pianisten
und Zuhörer lässt das Duo Feuerfunken sprühen, setzt Töne akkurat aneinander und begeistert im jazzigen Part
mit einer hinreißenden Mischung aus jugendlichem Ungestüm und technischer Präzision.
Vereinigung zweier Seelen
Der eine Flügel scheint zu wenig für die Kraft der beiden Künstler, von denen der dänische Dirigent Michael
Schønwandt sagte, es sei, “als würde man zwei BMW gleichzeitig fahren.” Und dennoch geschieht auf den Tasten
eine Vereinigung zweier Seelen im Sinne der Musik wie sie höchst selten zu erleben ist. Bis hin zum Anschlag ist
das Spiel wie aus einem Guss.
Brillant gelingt auch Fazil Says für das Duo geschriebene Stück “Night”, das mit alptraumhaft dunklen Passagen
aufwartet. Dumpfes Grollen und geisterhaftes Klirren trifft auf perkussive Effekte und sorgt für impulsive
Bravorufe und am Ende für Beifall im Stehen.
Auch solistisch großartig
Die Rechnung des Kulturring geht auf: Die jungen Virtuosen haben auch jüngere Hörer ins Publikum gelockt, das
hier ein Konzert der Superlative erlebt. Auch solistisch glänzen die Brüder: Mit Arthur Jussens Interpretation von
Robert Schumanns Fantasiestücken tut sich ein Kosmos an Bildern auf, vom mit sanfter Melodie gleißenden
romantischen Abendlicht über wilden Aufruhr bis zu lustvoll aufblitzenden Figuren. Sein Bruder Lucas meistert
in Suite und Sonate von Béla Bartók spielend die schwierige Rhythmik und widmet sich dem divergenten
Klangbild mit großer Meisterschaft. Bravissimo.

19-04-2018, Heilbronner Stimme, Von Monika Köhler

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