Zauberbrüder Jussen lassen das Publikum toben.

Thursday 14 June 2018

„Zum Eingewöhnen“ begannen sie mit Andante und Allegro brillant A-Dur op. 92 von Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Thema und Umspielung stimmten Note für Note, in Rhythmus und Interpretation punktgenau überein. Man hatte den Eindruck, das Stück würde von einem Pianisten mit vier Händen gespielt. Das Publikum tobte.
Renate Schmoll 14.6.2018 Westfalenpost

Zauberbrüder Jussen lassen das Publikum toben.

HAGEN. Die vielfach preisgekrönten holländischen Brüder Lucas und Arthur Jussen – sehr jung noch – haben im Rahmen des „Klavierfestivals Ruhr“ ein großartiges Konzert mit Werken für vier Hände oder zwei Klaviere gegeben. Es fand im Arcadeon vor ausverkauftem Haus statt: „Zum Eingewöhnen“ begannen sie mit Andante und Allegro brillant A-Dur op. 92 von Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Thema und Umspielung stimmten Note für Note, in Rhythmus und Interpretation punktgenau überein. Man hatte den Eindruck, das Stück würde von einem Pianisten mit vier Händen gespielt. Das Publikum tobte.
Die vielfach preisgekrönten holländischen Brüder Lucas und Arthur Jussen – sehr jung noch – haben im Rahmen des „Klavierfestivals Ruhr“ ein großartiges Konzert mit Werken für vier Hände oder zwei Klaviere gegeben. Es fand im Arcadeon vor ausverkauftem Haus statt: „Zum Eingewöhnen“ begannen sie mit Andante und Allegro brillant A-Dur op. 92 von Mendelssohn Bartholdy (1809-1847). Thema und Umspielung stimmten Note für Note, in Rhythmus und Interpretation punktgenau überein. Man hatte den Eindruck, das Stück würde von einem Pianisten mit vier Händen gespielt. Das Publikum tobte.

Die Fantasie f-Moll op. 103 D 940 von Schubert (1797-1828) begann mit einem wehmütigen Lied, sanft auf die Tasten gestreichelt; zwei Töne, F für Franz und C für Caroline, bestimmten das Thema. Man vermutet eine Liebeserklärung an seine Schülerin, die Comtesse Caroline Esterhazy. Das Thema wurde zerrissen, Fragmente im Diskant wurden im Bass beantwortet, viele Triller lockerten die Motive auf, wüste Akkorde im Dreiertakt erinnerten an einen makabren Walzer, fröhliche Motive verwandelten sich in leidenschaftliches Rasen mit brutalen Akzenten. Die Aufteilung in gebundene Melodiebögen und hartes Staccato konnte man beim Spielen der Brüder wie auf dem Notenblatt notiert ablesen.

Maurice Ravel (1875-1937)verteilte die Brüder mit „La Valse“ (Der Walzer) auf zwei Klaviere. Wunderbar kongruent die synkopischen Akzente, das Rasen, der Wechsel von lichten Momenten und aufrauschendem Fortissimo: Ein Tanz für Aufgebrachte, die ihre Wut in Bewegung umsetzen wollen.

Die Suite „Dolly“ für Klavier zu vier Händen op. 56 von Gabriel Fauré (1845-1924) bediente sich der romantischen Sprache.

Rasend schnelle Passage.

Im „Pas Espagnol“ (Spanischer Schritt) ging es turbulent zu, auch rasend schnelle einstimmige Passagen gelangen im perfekten Einklang. Für die „Rhapsodie Espagnole“ von Maurice Ravel mit wilden spanischen Tanzrhythmen saßen sich die Brüder an zwei Flügeln wieder gegenüber. „L’Apprenti sorcier“ für zwei Klaviere des Franzosen Paul Dukas (865-1935) beschreibt Goethes Ballade „Der Zauberlehrling“.

Die Fantasie des Publikums wurde durch wenige sehr zarte Einzeltöne angeregt. Anscheinend musste der Lehrling nach dem passenden Spruch grübeln. Danach ging es in fröhlichen Sprüngen lustig zu, bevor man auf beiden Flügeln das „Wasserrauschen“ immer heftiger werden hörte bis zum brutalen Schluss-Akkord.w

Die Brüder erzählten von ihrem Freund Fazil Say (*1970), der für sie das Stück „Night“ komponiert hatte. Es schilderte eine turbulente Nacht, mit dunklem Brodeln im Bass und darüber einer lauten Melodie. Schwarze Akzente, derb gesetzte Synkopen, Greifen in die Saiten des Flügels mit einem fahlem Pochen, der Bass superlaut, abgerissene Einwürfe, ein im wildem Getöse abgerissener Schlussakkord: Ein wildes Geschehen!

Die „Zauberbrüder“ schickten am Ende ihr begeistertes aufgewühltes Publikum mit einem sanften Sonatensatz von Mozart als Beruhigung nach Hause.

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